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2. Juni: Internationaler Hurentag

Aktualisiert: 17. Juli 2022

Heute vor 47 Jahren begannen über 100 Sexarbeiterinnen die Kirche Saint-Nizier in Lyon bis zur polizeilichen Räumung acht Tage später zu besetzen, um auf ihre letztklassigen Lebens- und Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen. Auslöser für den Streik war v.a. die Untätigkeit der Politik bzgl. der schlechten gesetzlichen Lage von Prostituierten, die dazu führte, dass sie zunehmend in die Illegalität getrieben und Gewalt ausgesetzt wurden.


Daher dieses Ereignis in Frankreich der Ausgangspunkt der Hurenbewegung darstellt, würde man meinen, dass das Prostitutionsgesetz 2022 dort progressiv wäre... tja, falschgedacht! Seit 2016 (!) ist die Inanspruchnahme sexueller Dienstleistungen in Frankreich illegal. Dabei ist es nicht etwa ein Ausnahmeland, sondern nur eines von vielen Ländern Europas, in denen man sich strafbar macht, wenn man Geld für sexuelle Services ausgibt.


Derzeit findet eine generell vollkommen rückschrittliche Entwicklung der Denkweise bzgl. sexueller Selbstbestimmung in Europa statt. Wie können es sich Staaten überhaupt erlauben, erwachsenen freien Menschen die einvernehmliche Intimität untereinander zu verbieten? Das ist nicht nur aus sozialwissenschaftlicher, sondern auch aus wirtschaftlicher Perspektive völlig schwachsinnig. Ungefähr die Hälfte meines Gewinns muss ich aufgrund der hohen Steuern in Österreich nämlich wieder an den Staat abgeben.


Als akademisch gebildete Frau habe ich keine Angst, nach der Einführung eines Sexkaufverbotes nie wieder einen anderen Job zu finden. Als Immobilienbesitzerin habe ich keine Angst, jemals obdachlos zu werden. Aber als Sexarbeiterin habe ich Angst, den Beruf zu verlieren, den ich liebe.

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